Häusliche Gewalt

W A S   I S T   H Ä U S L I C H E   G E W A L T ? 

Häusliche Gewalt ist jede Art körperlicher, seelischer und sexueller Misshandlung zwischen erwachsenen Partnern. Sie trifft vor allem Frauen jeden Alters, aus allen sozialen Schichten und Kulturen. Jede Frau kann von häuslicher Gewalt betroffen sein. Häusliche Gewalt ist kein seltenes Einzelschicksal. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen hat jede 4. Frau in ihrem Leben Gewalt durch den Partner erfahren.

Häufig befürworten die Täter sehr traditionelle Rollenmodelle für Frauen und Männer in der Partnerschaft. Sie haben aber nicht häufiger als andere Männer psychische Erkrankungen, Alkohol- oder Drogenprobleme oder sind arbeitslos . Diese Probleme können vorhandene Gewalttätigkeit aber verstärken.

Häusliche Gewalt hinterlässt körperliche (Prellungen, Organrisse, Knochenbrüche) und seelische Verletzungen (Verlust des Selbstwertgefühls, Suizidversuche). Sie kann Ursache für verschiedenste Krankheiten sein (Herzprobleme, Depression, Magenprobleme, Fehlgeburt…)

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache! Familie, Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen können die Betroffenen wirksam unterstützen, Hilfe und Schutz organisieren und dem Gewalttäter deutlich machen, dass die Gewalt nicht akzeptiert wird.


G E W A L T   H A T   V I E L E   G E S I C H T E R 

Häusliche Gewalt besteht aus unterschiedlichen Misshandlungen und Gewalttaten. Immer spielt dabei aber die Durchsetzung von Macht und Kontrolle eine Rolle.

Sexuelle Gewalt: sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe und Erniedrigungen, Erzwingen sexueller Handlungen (Küsse, Berührungen), Erzwingen bestimmter sexueller Praktiken, Vergewaltigung…

Körperliche Gewalt: Schubsen, Ohrfeigen, Schläge, Tritte, Verbrennungen, Misshandlung mit Gegenständen, Verletzungen durch Schuss- / Stichwaffen…

Psychische Gewalt: Beleidigung, Beschimpfung, Demütigung, Drohungen, Erpressung, Psychoterror, ständige Kontrolle, Zerstörung des Selbstwertgefühls…

Ökonomische Gewalt: Schulden machen, alleinige Kontrolle über gemeinsame Finanzen, Wegnehmen von Einkommen oder Unterhalt, Nicht zur Verfügung stellen von Haushaltsgeld...

Soziale Gewalt: Kontrolle von Telefonanrufen, Verhindern von Kontakt zur Familie, Isolation, Kontrolle und Verbot von Kontakten, Verbot der Berufstätigkeit der Frau, Verweigerung von Betreuung der Kinder, Einsperren …


T Y P I S C H E R   A B L A U F   H Ä U S L I C H E R   G E W A L T 

Häusliche Gewalt verläuft in aufeinander folgenden Phasen.

1. Spannungsaufbau
Über einen längeren Zeitraum baut sich langsam Spannung auf. Betroffene Frauen bemühen sich, es dem Gewalttäter möglichst recht zu machen, um keinen Anlass für Auseinandersetzungen zu geben. Dadurch können sie Wutausbrüche oft lange hinauszögern. Trotzdem kommt es zu leichteren Vorfällen, wie Anschreien, Beschimpfen, Ignorieren, Schubsen, etc.

2. Gewaltausbruch
Trotz der Vorsicht können Betroffene den Gewaltausbruch nicht verhindern. Es kommt zu einer Eskalation, in der der Gewalttäter sich ungebremst abreagiert. Der Auslöser liegt selten bei der Betroffenen selber, es reichen Kleinigkeiten (wie zu lautes Staubsaugen oder zu teurer Lebensmitteleinkauf). Der Gewalttäter fügt der Frau zum Teil heftige Verletzungen zu oder zerstört Mobiliar. Der Gewaltausbruch endet erst, wenn der Täter sein Ziel erreicht sieht oder die Frau sich in Sicherheit bringen kann. Dies ist ein häufiger Zeitpunkt für Polizeieinsätze oder medizinische Notfallversorgung.

3. Ruhephase
Nach dem Gewaltausbruch zeigen Gewalttäter Reue und entschuldigen sich. Sie bitten die Frau um Hilfe zur Vermeidung weiterer gewalttätiger Eskalationen und geben ihr Verhaltenstipps, wie sie seine Ausbrüche in Zukunft verhindern kann. Damit geben sie ihrem Verhalten die Schuld an der Eskalation („das ist nur passiert, weil du…“). Die Schuld wird auch in stressigen Arbeitssituationen oder dem Alkoholkonsum gesehen. Damit die Partnerin die Beziehung nicht beendet, versuchen viele ihre Aufrichtigkeit zu Beweisen. Sie machen Geschenke und versprechen Besserung, sind liebevoll und zugewandt. So ist es nicht selten, dass die Frauen trotz der Gewalt beim Partner bleiben oder zu ihm zurückkehren.
Meist geht diese Phase wieder mit Beleidigungen und kleineren Gewaltvorfällen in die 1. Phase des Spannungsaufbaus über.
Betroffene berichten von immer heftigeren Ausbrüchen und kürzeren Ruhephasen je öfter sich der Kreislauf wiederholt.


H I L F E 

Der Kreislauf kann durchbrochen werden. Verwandte, Freunde und Kollegen können Betroffene unterstützen, ein gewaltfreies Leben zu führen. Polizei und Justiz können den Gewalttäter stoppen. Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser können dabei unterstützen, den Weg aus der Gewalt zu gehen. Sie informieren auch über bestehende, rechtliche Schutzmöglichkeiten. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Hilfe finden Sie beim Frauennotruf und -beratung unter 08141 / 290 850
und beim Frauenhaus unter 08141 / 357 35 65

Medizinische Hilfe
Bei körperlichen Verletzungen ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen und diese dokumentieren zu lassen. Die Atteste können für spätere gerichtliche Anträge von großer Bedeutung sein.

Behandelnde Ärzte können hier einen Muster-Dokumentationsbogen in Fällen von häuslicher Gewalt / körperlicher Misshandlung herunter laden(mit freundlicher Genehmigung des Frauennotruf Frankfurt/Main). Dokumentation_häusl_Gewalt.pdf [305 KB]


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